Frauen machen Teams schlauer

Es gibt clevere Menschen und es gibt weniger clevere Menschen. Keine wirklich umwerfende Erkenntnis. Wie aber ist das bei Teams? Gibt es hier Unterschiede in der „Gruppenintelligenz“? Ist die eine Arbeitsgruppe vielleicht schlauer als die andere? Und wenn ja, warum? Lässt es sich irgendwie beeinflussen, wie clever – und damit auch erfolgreich – ein Team ist? So viel vorab: Ja, das lässt sich beeinflussen. Und die Geschlechterverteilung spielt hier eine entscheidende Rolle.

Psychologen der Carnegie Mellon University in Pittsburgh, USA, haben genau das in mehreren Studien* untersucht. Sie kamen zu Ergebnissen, die auch die Experten selbst überraschten. So geht bei der Bildung von Arbeitsgruppen eine der naheliegendsten Rechnung schon mal nicht auf: schlau + schlau ist nämlich nicht gleich schlau. Unternehmen bringt es also keinen Vorteil, bei großen Herausforderungen die hellsten Köpfe in ein Team zu packen. Dadurch leuchtet ihr Licht nicht heller als in den Gruppen, in denen die Team-Mitglieder einen geringeren IQ haben.

3 Faktoren für den Team-Erfolgfemale_2

Die amerikanischen Wissenschaftler fanden in ihrem Versuchsansatz mit 699 Probanden immer Teams, die signifikant schlauer und erfolgreicher waren als die übrigen. Wodurch unterschieden sich diese Gruppen nun von den anderen? Die Psychologen identifizierten drei Faktoren: Gute Kommunikation, hohe Empathiefähigkeit und viele Frauen.

1. Gute Kommunikation: Eine erfolgreiche Gruppe zeichnete sich zunächst dadurch aus, dass alle ihre Mitglieder gleichermaßen an Diskussionen und Entscheidungen beteiligt waren. Es gab also nicht einen oder zwei Wortführer, die die Arbeitsgruppe dominiert hätten.

2. Hohe Empathiefähigkeit: Alle Teilnehmer der erfolgreichen Gruppen schnitten besonders gut beim „Reading mind in the eyes“-Test ab. Das heißt, sie konnten den Gemütszustand bzw. die Stimmungslage anderer Menschen sehr gut anhand ihrer Augen ablesen.

3. Hoher Frauenanteil: Schließlich war der Erfolg der Teams signifikant höher, die sich durch einen höheren Frauenanteil auszeichneten. Ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis war also nicht gefragt. Die Gruppenintelligenz erhöhte sich allein dadurch, dass  der Frauenanteil stieg. Für die Wissenschaftler hängt dieser Effekt entscheidend damit zusammen, dass Frauen sich grundsätzlich besser in andere Menschen einfühlen können.

Online-Teamsfemale_1

Eine aktuelle Studie** am Massachusetts Institute of Technology (MIT) konnte diese Ergebnisse nun nicht nur bestätigen, sondern sie auch für Teams erweitern, deren Mitglieder online zusammenarbeiten, die sich also nicht gegenüber sitzen. Auch hier fanden die Wissenschaftler deutliche Unterschiede in  der „Team-Intelligenz“, obwohl die Probanden keine Möglichkeiten hatten, sich in die Augen zu schauen. Am erfolgreichsten waren die Gruppen, in denen die Mitglieder viel – aber wieder ausgewogen – kommunizierten und sich dadurch auszeichneten, dass sie Stimmungen und Gefühle gut „lesen“ konnten. Dabei war es nicht notwendig, die Gesichter der anderen zu sehen.

Diese Fähigkeit, Gefühle, Bedürfnisse, Ideen, Absichten Erwartungen und Meinungen anderer – in verschiedenen sozialen Kontexten – zu erkennen und zu berücksichtigen wird als theory of mind oder native Theorie bezeichnet. Bei Kleinkindern ist diese Fähigkeit noch nicht entwickelt. Erst im Alter von vier bis fünf Jahren können sie die Perpektive anderer Menschen einnehmen und berücksichtigen. Dann aber gibt es noch deutliche geschlechtsspezifische sowie individuelle Unterschiede, was das empathische Empfinden betrifft.

Mit Blick auf die Teamfähigkeit im Job bleibt festzuhalten: Egomanen, Alpha-Tiere, Selbstbehaupter und Sozial-Legastheniker sind keine wirklich optimalen Kandidaten für clevere und erfolgreiche Arbeitsgruppen.

 

*“Evidence for a Collective Intelligence Factor in the Performance of Human Groups

**“Reading the Mind in the Eyes or Reading between the Lines? Theory of Mind Predicts Collective Intelligence Equally Well Online and Face-To-Face“